Mindset

Weichgespült im Ratgeber-Dschungel

Schon von klein auf wird uns eingetrichtert, dass wir bestimmte Dinge tun oder lassen sollen, um erfolgreich im Leben zu sein. Lehrer erwarten, dass wir brav und angepasst die Schulbank drücken. Eltern belohnen das „richtige“ Verhalten mit Geld oder Schokolade. Und so geht es unser ganzes Leben lang. Unzählige Ratgeber wollen dir „helfen“ stets zu wachsen, immer besser zu werden und an allen (un)möglichen vermeidlichen Schwächen zu arbeiten.

Da sind wirklich gute und hilfreiche Themen dabei, das will ich gar nicht bestreiten. Nur – müssen wir wirklich ständig alles an uns in Frage stellen? Oder sollten wir stattdessen nicht auch hin und wieder diese ganzen guten Ratschläge hinterfragen…

Vor allem gibt es nicht Den Einen Weg zum perfekten Leben, zum perfekten Arbeiten, zum perfekten Familienleben. Das erkennt man schon, wenn man sich die Vielzahl der Ratgeber im Bücherregal ansieht. Und jeder proklamiert für sich, die allumfassende Lösung für alle Probleme gefunden zu haben. Natürlich ist diese ganze Ratgeber-Literatur nicht per se schlecht. Im Gegenteil, da sind einige wirklich gute Bücher dabei, die einem eine ganze Menge gute Denkanstöße und Anregungen liefern. Und immerhin laufen wir bei der Menge der guten Ratschläge nicht Gefahr, dass wir am Ende alle gleichgeschaltet sind. Jeder muss sich selbst seinen eigenen Weg durch den Ratgeber-Dschungel suchen.

Wer nun allerdings versucht, immer die jeweils aktuellsten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung für sich umzusetzen, könnte damit das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren. Am Ende macht man sich nur noch Gedanken, wie man in einer Situation reagieren sollte, was man wann sagen muss und wer einen wie versucht zu manipulieren. Plötzlich spielt man unbewusst eine Rolle, die man gar nicht ausfüllt. Die eigene Authentizität geht dabei völlig verloren.

Doch was bedeutet Authentizität eigentlich? Und warum ist das so ein großes Thema?

All die perfekten Menschen, die uns in Werbung und sozialen Netzen vorgegaukelt werden, sind nicht nur langweilig sondern geradezu austauschbar. Retuschierte und inszenierte Hochglanzbilder versinken in der Flut der Informationen. Nur individuelle und echte Bilder schaffen es, aus der Masse herauszustechen und damit ein bisschen unseres wertvollsten Gutes zu erhalten – unserer Aufmerksamkeit. Es geht also um das Herausstechen aus der Menge durch Authentizität.

Dabei wird mit Authentizität vor allem Echtheit verbunden. Menschen, die wir als authentisch bezeichnen, werden also besonders echt, ehrlich und unverfälscht wahrgenommen. Ihre Worte stimmen mit ihren Handlungen und ihrem Verhalten überein, d.h. sie sind aufrichtig, verlässlich und glaubwürdig. Damit wird Authentizität als positive Charaktereigenschaft eines Menschen gewertet, die nicht nur im Privaten sondern auch im Berufsleben hochgeschätzt ist. Immerhin sind solche Menschen besonders vertrauenswürdig wodurch sich Respekt und Sympathie erhöhen können. Auch die Selbstsicherheit, die authentischen Menschen oft ganz natürlich ausstrahlen, wirkt auf die Mitmenschen attraktiv. Sie wirken fest verwurzelt und ruhen in sich selbst. Oft werden diesen Personen sogar automatisch weitere positive Persönlichkeitsmerkmale zugesprochen, selbst wenn diese nicht begründet sind.  

Was aber, wenn wir nun unbedingt selbstsicher und authentisch auftreten wollen? Ich könnte jetzt beispielsweise einfach ein paar Tipps zur Körpersprache für eine starke und selbstbewusste Ausstrahlung befolgen. Wenn ich aber nicht die entsprechende Geisteshaltung dazu habe oder meine Aussagen nicht dazu passen, wird mein Gegenüber diese Dissonanz eher als irritierend wahrnehmen.

Um selbst authentisch zu sein, muss ich mir aber erst mal darüber klar werden, was meine Werte sind und wofür ich einstehen will.

Authentizität erreiche ich nur, wenn ich ehrlich und reflektiert bin und mich nicht verbiege(n lasse). Sobald ich nur eine Rolle spiele und Ansichten verkaufen will, die ich selbst nicht vertrete, werde ich das unbewusst auch ausstrahlen. Natürlich ist es gerade im Berufsleben nicht immer angebracht, die eigene Meinung ungefiltert kundzutun. Aber mit etwas Feingefühl und Kooperation ist es auch im Beruf weitgehend möglich, sich authentisch zu verhalten.

Doch sowohl beruflich als auch im privaten Umfeld erfordert es Mut und Selbstbewusstsein, sich echt und authentisch zu verhalten. Denn man zeigt Ecken und Kanten und muss seine eigenen Ansichten ehrlich und konsequent vertreten können. Doch gerade diese Aufrichtigkeit kann es dann auch sein, was das Gegenüber besonders schätzt. Gerade in Teams oder Gruppen mit einem gewissen Anpassungsdruck kann Authentizität eine Herausforderung sein. Doch der Opportunist, der wie ein Fähnchen im Wind seine Meinung der des Gegenübers anpasst, mag zwar bequem sein. Weiter bringt er uns damit aber nicht. Nur Austausch und Diskussion bringen neue Sichtweisen und kreative Ideen.

Übrigends: Authentizität bedeutet keinesfalls, dass man seine Ansichten nicht auch ändern darf. Im Gegenteil, gerade wer auch offen dazu steht, dass sich sein Standpunkt geändert hat, bleibt authentisch.  

Also bei all den guten Ratschlägen – nehmt das Beste für euch mit. Pickt euch die Rosinen aus dem Kuchen und ignoriert mit gutem Gewissen alles, was nicht zu euch passt!

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