Finanzen

Ich mach mich nackig

Nicht das, was ihr denkt! Natürlich nur im übertragenen Sinne. Denn ich sammle Punkte. Meine Daten sind wertvoll, ein begehrtes Gut und mir ist durchaus bewusst, dass ich mit jeder Kunden-, Bonus-, Rabattkarte eine ganze Menge Informationen zum Spottpreis über mich in fremde Hände gebe.

Das Sammeln von Punkten ist daher eine ganz bewusste Entscheidung. Im Schnitt gibt es einen Punkt für zwei Euro Umsatz. Das ist verschwindend gering, geradezu mickrig, ein ganzes unglaubliches halbes Prozent!!! Mit der Zeit summieren sich diese winzigen Beträge zu einem ansehnlichen Guthaben. All zu groß sollten die Erwartungen allerdings nicht sein.

Bei sogenannten Bonussystemen mit Kundenkarte oder App erfolgt  durch Datenerhebung eine detaillierte Analyse des Kaufverhaltens der Kartenbesitzer. Im Gegenzug zu unternehmensgebundenen Kundenkarten gibt es Bonussysteme mit einer Vielzahl von Geschäften unterschiedlichster Branchen. Neben dem Data-Mining erhoffen sich die beteiligten Händler eine stärkere Kundenbindung, denn der Kunde kauft lieber da, wo er Punkte sammeln kann als bei der Konkurrenz.

Auch wenn ein Punkt meist nur einen Cent Gegenwert hat (zumindest zum Zeitpunkt, zu dem dieser Beitrag entstanden ist), kann man eben am Ende genau diesen Gegenwert zu barem Geld machen. Wenn ich also nach ein paar Jahren ein stolzes Sümmchen an Punkten auf meinem Punktekonto habe, kann ich diese in der Regel gegen Prämien oder Gutscheine eintauschen. Wobei ich letzteres klar bevorzuge, da die Prämien meiner Meinung nach überteuerter Kram sind. Einen Gutschein hingegen kann man oft sehr gut gebrauchen. Bei machen Anbietern kann ich die Punkte auch zum Zahlen in teilnehmenden Geschäften verwenden oder sogar an ausgewählte Organisationen spenden.

Für uns sind vor allem Gutscheine interessant, da wir sowieso hin und wieder größere Anschaffungen planen, zukünftig werden wir wohl einiges an Gartengeräten benötigen. Wenn der Wunschzettel leer ist, wird gespendet.

Ein paar Dinge sollte man allerdings unbedingt beachten:

  1. Man sollte sich auf keinen Fall von Aktionen zu ungeplanten Käufen verführen lassen. Wenn ich irgendwo eine Extra-Super-Duper-Sonderaktion angeboten bekomme, spare ich immer noch am meisten, wenn ich gar nichts kaufe. Also Finger weg von Lockangeboten.
  2. Nicht jede Kundenkarte macht für jeden Sinn. Nur, wenn man wirklich langfristig einen Vorteil sieht, sollte man sich eine weitere Karte in den Geldbeutel packen.
  3. Umsonst gibt es nichts. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Unternehmen sich sämtliche Bonusprogramme fürstlich in Form unserer privaten Daten bezahlen lassen. Womöglich werden die Daten sogar an Dritte weiterverkauft. Zumindest werden sie verwendet, um uns mit noch mehr Werbung zu bespaßen. Also im Zweifel lieber die Finger davon lassen.
  4. Man sollte gerade bei Bonusaktionen Preise vergleichen. Denn auch wenn ich bei der Verwendung einer Kundenkarte oder bei einem Bonusprogramm einen vermeidlichen Vorteil habe, kann es eben doch passieren (und zwar nicht selten), dass die Konkurrenz das gewünschte Produkt günstiger anbietet. Was bringen einem zwei Prozent Kundenrabatt, wenn das gleiche Produkt womöglich ganze zehn Prozent preiswerter zu haben ist?!
  5. Bei manchen Anbietern verfallen die Punkte nach einer bestimmten Zeit. Normalerweise wird man rechtzeitig informiert und kann dann entsprechend die Anzahl an Punkten, die „in Gefahr“ sind in Gutscheine tauschen.

Bestimmt habe ich noch einige Aspekte vergessen. Wichtig ist vor allem, dass man sich darüber klar ist, dass man sich mit all diesen Bonusprogrammen zum gläsernen Kunden macht. Wer damit leben kann, immun gegen Bauernfängerei ist und viel Geduld mitbringt, kann am Ende ein kleines bisschen was sparen. Beim obligatorischen Lebensmitteleinkauf wird einfach die Karte gezückt und sämtliche anderen Aktionen werden ignoriert.

Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut, dass wir nach drei Jahren Punktesammeln einen 200,- Euro Gutschein bekommen haben und entsprechend eine größere Anschaffung gleich nicht mehr so sehr ins Gewicht gefallen ist. Mehr konsumieren wir deswegen nicht. Am Ende muss jeder selbst wissen, ob er bei solchen Dingen mitmachen möchte oder eben nicht.

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6 thoughts on “Ich mach mich nackig

  1. Hallo,
    wir sammeln auch Punkte. Allerdings nur in den Läden, in denen wir sowieso einkaufen gehen. Bin ich bei Rossmann, nutze ich den 10% Coupon. Bin ich beim DM nutze ich Payback, bei Edeka im Ort Deutschlandcard.
    Allerdings vergleichen wir die Preise, gerade bei Tankstellen. Wir haben in der Umgebung 4 Stück, bei zwei können wir Punkte sammeln, aber diese sind häufig teurer als die anderen beiden.
    Extra was kaufen, nur um Punkte zu bekommen, würde ich nicht und mir ist klar, dass ich meine Daten hergebe, andererseits kaufe ich immer nur was ich wirklich benötige und das sind eben Basics wie Lebensmittel – oft Bio – und Verbrauchsmaterialien wie Toilettenpapier, Waschpulver etc.
    Ich glaube bei diesem Thema scheiden sich die Geister, aber auch wir haben immer wieder ein kleines Sümmchen zusammen, was wir dann im jeweiligen Laden nutzen zum Bezahlen.
    Grüße Julia

    1. Wir nutzen auch nur diese zwei Karten. Aber wie du sagst, muss man trotzdem noch Preise vergleichen und darf sich nicht blind vom Punkte sammeln verführen lassen.

  2. ich finde man muss sich, wie du schon sagst, im klaren sein, dass bei diesen Programmen immer auch Daten gespeichert werden – das wird von den Anbietern ja meist nur nebenbei erwähnt. Ich finde ich es nicht gut dass die Bonusprogramme häufig so kommuniziert werden, als gebe es nur Vorteile für Teilnehmer.
    Aber richtig klasse dass ihr 200€ durch Punkesammeln zusammen bekommen habt! Da hat man doch direkt Lust auch mal wieder mehr zu sammeln 🙂

    liebe Grüße,
    Hanna

    1. Ja, regelmäßig ein paar Cent dafür, dass ich beim wöchentlichen Lebensmitteleinkauf ein Kärtchen zeige, summieren sich mit der Zeit mehr als gedacht 😀

  3. Letztlich ist es die Frage ob man cool ist und die Mehrarbeit in Kauf nimmt oder sich den Luxus nimmt darauf zu verzichten. Weil es auch Zeit kostet . Bei mir waren es 2 bis 7 Euro und mehr im Monat bevor ich die Karten vernichtet habe. Die paar Euro hole ich einigermaßen durch weniger Süßigkeiten kaufen wieder rein 😉

    1. Oje, weniger Süßigkeiten kaufen geht für mich gar nicht. Und ich gebe zu, es kostet schon Zeit und ich finde es super spießig. Aber dann kommt der Schwabe in mir wieder durch und ich freue mich über das kleine Extra. Gäbe es allerdings keine Gutscheine sondern nur Sachprämien, würde ich nicht mitmachen.

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