Scanner Queen

Strich für Strich zu mehr Me-Time

Einigen wird ja ein besonderes Talent attestiert was den Umgang mit Zeichenstift und Papier angeht. Das mag in manchen Fällen stimmen, in anderen resultiert es vielleicht eher aus der Zuneigung die man für die zeichnende Person hat. Da finden die Leute dann alles gut. Bestes Beispiel – alles was die Kleinen zu Papier bringen wird von den Großeltern uneingeschränkt über den Klee gelobt (sagt man das so?). Ich bin mir bis heute nicht sicher, zu welcher Kategorie ich mich zählen darf. War mir aber auch die meiste Zeit egal. Einzig in der Berufsfindungsphase habe ich mal darüber nachgedacht, diese potenzielle Begabung weiterzuverfolgen und einiges an Output produziert. Wer sich bei Kunstschulen bewerben möchte, muss eine Mappe mit eigenen Bildern einreichen. Da meine gesammelten Werke allerdings auch ganz objektiv betrachtet einfach nur ganz nett waren, habe ich das nicht weiterverfolgt. Ja, ich weiß, Übung macht den Meister. Ich hatte zu dem Zeitpunkt aber auch eine Menge anderer Interessen und habe mich für ein „vernünftiges“ Studium entschieden. Das ich dieses dann abgebrochen habe, um Fotografie zu studieren (inklusive Bewerbung mit einer eigens hierfür erstellten Mappe…), steht auf einem anderen Blatt.

Die Liebe zum Zeichnen ist bis heute geblieben. Leider nehme ich mir viel zu selten Zeit für dieses Interesse, daher habe ich mich auch nie großartig verbessert. Dazu kommt, dass ich mit den fertigen Werken überhaupt nichts anfangen kann. Als Anhänger einer minimalistischen Lebensweise kann ich mit vollgestopften Schränken und sentimentalem Kram wenig anfangen. Meist fliegen die Zeichnungen nach sehr kurzer Zeit raus, aufgehängt habe ich noch nie welche. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Tätigkeit an sich mir wirklich Spaß macht. Daher gibt es immer mal wieder Phasen, in denen ich das Zeichnen für mich wiederentdecke.

Um mich zu verbessern aber auch um wirklich mal dran zu bleiben, gönne ich mir immer mal wieder einen Zeichenkurs. Vorzugsweise über die lokalen Volkshochschulen. Das Angebot ist vielfältig und verhältnismäßig günstig im Vergleich zu Kunstschulen. Bisher habe ich auch immer sehr nette und engagierte Dozenten angetroffen, bei denen ich viel lernen konnte. Von A – „Aktzeichnen“ bis Z – „Zeichnen für Anfänger“ habe ich mich schon durch die verschiedensten Kurse gemalt. Und auch für alle anderen Interessen, die man mal austesten möchte, ist das VHS-Angebot zu empfehlen. Gerade zum „Reinschnuppern“ ist das die ideale Anlaufstelle.

So ein Kurs hilft mir selbst, mir auch mal wirklich Zeit für ein Hobby zu reservieren. Das ist sozusagen meine Me-Time. Da schaffe ich es dann auch, einmal die Woche alle anderen Termine abzulehnen und mich einzig und allein auf meine Interessen zu fokussieren.

Nur an der Einkaufliste für die Kurse störe ich mich immer ein bisschen. Gerade beim Zeichnen ist diese oft überraschend umfangreich. Eigentlich würden ja Stift und Papier reichen, dachte ich zumindest. Doch die Erwartungshaltung der Trainer ist oft, dass man perfekt ausgestattet mit Profiausrüstung erscheint. Neben dem richtigen Papier in der richtigen Stärke und der richtigen Größe müssen es dann auch 5-10 verschiedene Bleistifte in allen erdenklichen Härtegraden sein. Da soll man als Anfänger schon ein halbes Vermögen in Material investieren. Dabei weiß man noch nicht mal, ob aus dem Schnupperkurs wirklich eine langfristige Leidenschaft erwächst. Von dieser Vorstellung musste auch ich mich erst mal freimachen. Bisher war ich immer brav einkaufen, das werde ich mir für die Zukunft abgewöhnen. Auch wenn der Kurs auf die Verwendung verschiedener Utensilien ausgelegt ist, muss ich da nicht mitmachen. Wer schon ein bisschen Erfahrung hat, weiß womit er gut zurechtkommt. Ansonsten kann man auch einfach erst mal einen kleineren „Werkzeugkoffer“ nutzen und im Laufe des Kurses nach Bedarf aufstocken.

Ich persönlich bin lieber mit weniger Auswahl unterwegs. Während dem Zeichnen den Stift zu wechseln ist einfach nicht meins. Vielleicht probiere ich auch mal wieder Kohle statt Bleistift. Das hatte ich vor Jahren mal versucht und war ziemlich zufrieden mit den Ergebnissen. Allerdings war das bei mir eine ziemliche Sauerei, ich sah aus wie ein kleiner Schornsteinfeger. Keine Ahnung ob das normal ist oder an mir lag (und ob es bei Kohle wirklich nur eine Variante gibt).

Wer ein bisschen Inspiration und Zerstreuung sucht und nicht gleich mit einem Kurs starten möchte, kann es mal mit Zentangle versuchen. Einmal „infiziert“ kann man kaum aufhören, sich durch die Flut an „Zentangle“-Videos zu klicken. Hier mal eines als Einstiegsdroge. Allein das Zuschauen ist schon entspannend und es ist wirklich beeindruckend, wie leicht man ohne jegliche Vorkenntnisse geniale Effekte kreieren kann. Auch hier wird übrigens einiges an Zubehör empfohlen – Stift und Papier sind aber für den Anfang vollkommen ausreichend!

Einfache Zentangle-Versuche

Was man dann am Ende mit den gesammelten Werken veranstaltet, muss jeder selbst entscheiden. Meine Meisterwerke sind alle im Papiermüll beerdigt worden. Mir geht es eher um die Tätigkeit an sich als um das Endergebnis. Und ich kann jedem nur raten, sich auch ein bisschen Zeit für seine Interessen zu nehmen. Ein bisschen Me-Time muss einfach drin sein, und wenn es nur die eine Stunde VHS-Kurs pro Woche ist.

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