Mindset

Bin ich schon Alteisen – oder doch Goldgrube?

Mia Brummer fragt in ihrer Blogparade „für was sind Frauen ab 50 überhaupt noch gut?“.

Wow, da ist mir vor Ärger erst fast der Kaffee aus der Hand gerutscht. Was für eine provokante Frage! Damit hat sie mich gleich aus der Reserve gelockt. Auch, wenn ich noch ein paar Jahre bis zur 50 vor mir habe, so muss ich doch meinen Gedanken zu diesem Thema Luft machen.

„Ist man mit 50 endlich erwachsen?“

Ja – und nein. Was soll denn das überhaupt sein, dieses Erwachsen? Ich darf aus einem großen Schatz an Erfahrungen zehren und doch auch kindlich und albern sein, wenn ich Lust dazu habe. Wenn ich schaukeln und rutschen will, dann darf ich das. Wenn sich jemand durch die „alte Frau“ gestört fühlt, ist das sein Problem. Heißt jetzt nicht, dass man kleine Kinder vom Karussell schubsen soll. Aber es gibt keine Altersgrenze, die einem verbietet, Spaß zu haben. Auch auf die Gefahr hin, das andere das vielleicht seltsam finden.

„Findest Du als junge Frau Frauen 50+ eher peinlich oder cool?“

Menschen, die sich selbst und anderen eine Rolle vorspielen sind peinlich. Menschen, die rücksichtslos sind und ihren Müll in der Umwelt entsorgen, sind peinlich. Egal, ob sie dabei 18 oder 80, männlich oder weiblich oder divers sind. Menschen, die authentisch sind und emphatisch sind und gut mit sich und ihrer Umwelt umgehen, sind cool. Weder Alter noch Geschlecht sondern alleine das Verhalten eines Menschen kann peinlich oder cool sein.

„Gibt es überhaupt noch ein Leben jenseits der 50?“

Wer aufhört, neugierig auf das Leben zu sein, kann sich auch schon mit 30 Jahren einsargen lassen. Wenn wir wissbegierig und lernbereit durchs Leben gehen, geht es hinter jeder Zahl weiter. Jeder Tag schenkt uns neue Herausforderungen und neue Erfahrungen. Es ist unsere Entscheidung, was wir daraus machen. Und im Übrigen kann ich in Gesprächen von 10-jährigen genauso etwas lernen, wie in Gesprächen mit 100-jährigen.

Was sind Frauen über 50 wert?

Für die Kosmetikindustrie sind sie eine Goldgrube. Wobei schon die Jüngeren mit ihrer bodenlosen Angst vorm Älterwerden Milliarden in Cremes und Seren versenken. Was man mit dem Geld alles Sinnvolles anfangen könnte!!!

Von wegen 50 seien die neuen 40. Alles was uns die Werbeindustrie verkaufen will, ist das wir noch länger schön brav im Hamsterrad des ewigen Jugendwahns zu treten haben. Sich entspannt mir Lachfalten und grauen Haaren selbst zu lieben, wie man ist – das wäre eine Katastrophe für die riesige Beauty-Branche. Was würden die Hersteller all dieser Zaubermittelchen nur tun, wenn wir nicht mehr den Traum der ewigen Jungend träumen würden. Gängige Schönheitsideale sind nicht nur von der Gesellschaft und dem aktuellen Zeitgeist geprägt. Ein ganzer Industriezweig schreibt die Regeln fröhlich kreativ zum eigenen Nutzen mit. 

Erst vor kurzem gab es zu diesem Thema übrigens eine viel beachtete und sehr unterhaltsame Dokumentation zu sehen. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim zeigt hier humorvoll, mit welchen Tricks die Kosmetikindustrie arbeitet und warum wir ihr so gerne auf den Leim gehen.

Ich hoffe wirklich, dass jede Frau es schafft, ihren Frieden mit dem Alter zu machen und die Veränderungen an ihrem Körper annehmen kann. Auch ich selbst habe da noch einiges vor mir und werde sicher noch mein ganz persönliches Hühnchen mit der Schwerkraft rupfen. Und trotzdem werde ich niemals mein sauer verdientes Geld für überteuerte Anti-Aging-Cremes ausgeben. Statt in falsche Versprechungen und utopische Illusionen investiere ich lieber in Erlebnisse und persönliche Weiterentwicklung. 

Was ist denn mit den Männern über 50?

Die machen sich (leider) oft überhaupt keine Gedanken über ihr Aussehen. Dank gegenwärtigem Trend zum maskulinen Vollbart können sie ihre Hängebäckchen unter einem wärmenden Fell verstecken, während wir Damen Angst haben, dass wir einen Truthahnhals bekommen.

Und während von den Frauenzeitschriften im Wechsel die besten Rezepte für Torten und die abstrusesten Blitz-Diäten feil geboten werden – gerne auch parallel in derselben Ausgabe – tragen viele Herren ein kapitales Fässchen vor sich her. Ist ja normal, dass der Kleine ab einem gewissen Alter ein schützendes Dach über dem Kopf braucht.

Unterdessen überlegen Frauen, wer sie den noch jenseits der 50 noch einstellen würde. Derweil klettern die Herren gerade jetzt die Karriereleiter empor. Das darf man ihnen nicht mal zum Vorwurf machen. Klar, in manchen Branchen bleibt man in den oberen Etagen gerne unter sich und Frauen taugen nur als hübsches Beiwerk, das sich im den Kaffee kümmert. Doch in vielen Unternehmen hat sich das Mindset schon geändert, es fehlt schlichtweg an Kandidatinnen. Viele Frauen haben leider überhaupt kein Interesse, Verantwortung und Führungsaufgaben zu übernehmen. Und ganz viele trauen sich das selbst einfach nicht zu. Und genau da liegt das Problem. Während sich die Herren selbstbewusst auf unbekanntes Terrain einlassen, hadern und zögern viele Frauen und glauben, sie hätten noch nicht genug Erfahrung.

Dabei gibt es viele bekannte Frauen, die vormachen, dass es geht und wie es geht. Es ist durchaus möglich, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Dazu müssen wir aber von dem Anspruch, immer perfekt sein zu wollen, verabschieden. Und den Dauerpräsentismus, der in vielen (alten) Köpfen verankert ist, können wir nur verbannen, indem wir aktiv daran mitwirken, die Arbeitswelt zu verändern.

Es wäre ein Gewinn für die Gesellschaft, wenn mehr Frauen sich trauen, ihr Können und ihre Lebenserfahrung für mutige Schritte in ihrer Karriere zu nutzen. Frauen führen anders aber vor allem nicht schlechter.

Als ich meinen Mann nach seiner Sicht zu Frauen über 50 gefragt habe, habe ich als Antwort übrigends nur ein verwirrtes Gesicht bekommen. Seine erste Reaktion: „Ich verstehe die Frage nicht“. Und auf meine Erklärungsversuche hin meinte er nur „Wir werden halt alle runzelig“. Offentichtlich machen wir Frauen und viel zu viele Gedanken über etwas, das eigentlich gar nicht so wichtig ist.

Selbstfürsorge

Egal in welchem Altern, man sollte doch immer eigenverantwortlich aber auch gütig mit sich selbst umgehen.

Das heißt für mich einerseits, dass es völlig ok ist, mal ein paar Gramm mehr oder weniger auf die Waage zu bringen. Ein Leben ohne Genuss wäre für mich nicht lebenswert und dazu gehören Pizza und Kuchen nun mal dazu. Und es muss auch erlaubt sein, einfach mal gar nichts zu tun. Das Leben kann stressig und anstrengend sein, da brauchen Körper und Seele einfach auch mal eine Auszeit von allem.

Andererseits sollte man auch immer ein Gleichgewicht anstreben. Also nicht nur Ungesundes in sich rein futtern und gemütlich auf dem Sofa gammeln. Zur Selbstfürsorge gehört auch, dass man auf seine Ernährung und seine körperliche Fitness achtet. Ein bisschen Obst und Gemüse hat noch niemandem geschadet. Genauso wenig wie Bewegung an der frischen Luft.

Und es ist ein riesiger Unterschied zwischen „sich was gönnen“ und sich gehen lassen. Denn auch wenn ich mir niemals etwas verbiete, möchte ich doch attraktiv für meinen Partner bleiben. Genauso, wie er für mich attraktiv bleiben möchte. Dazu muss ich nicht den Körper einen 20 Jährigen haben aber sollte eben trotzdem gepflegt und fit sein. Das sollten wir uns schon alleine für uns selbst wert sein, völlig unabhängig davon, ob wir mit oder ohne Deckel durchs Leben gehen.

Älter werden ist nichts für Feiglinge

Ich habe sowenig Angst vor der 50, wie schon in Vergangenheit vor der 30 oder der 40. Bei all den Horrorgeschichten über das Älterwerden, Midlife-Crisis und die Wechseljahre ist es nämlich immer an uns, was wir aus unserem Leben machen. Ich kann selbst entscheiden, wie ich meiner Zukunft begegne und ob ich mich von den schweren Zeiten runterziehen lasse oder mich auf die positiven Dinge fokussiere.

Das Alter ist nur eine Zahl, die im Ausweis steht. Ich definiere mich nicht über diese Zahl sondern über meinen Erfahrungsschatz. Und ich freue mich auf hoffentlich viele neue Erfahrungen, die ich mit jedem weiteren Jahr machen darf. Ich wünsche mir ein langes und gesundes Leben. Das gibt es aber nur, wenn ich alt und runzlig werde.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

2 thoughts on “Bin ich schon Alteisen – oder doch Goldgrube?

  1. Du klingst nicht wie ein Feigling, sondern wie eine vernünftige Frau mit Lebensweisheit. Mein Mann hat übrigens genauso reagiert. Wünschen wir uns ein langes Leben (mit den nötigen Runzeln).

    1. Danke für die Blumen. Ein bisschen feige bin ich womöglich schon, durfte aber schon genug (Lebens-)Weisheit sammeln um zu wissen, dass Mut fast immer belohnt wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert