Mindset Queen All - Diverses

Liebes zukünftiges Ich

Ich kenne dich nicht, dafür kennst du mich. Ein bisschen unfair ist das schon. Ich soll ja ganz viel für dich tun aber was tust du für mich?

Du ruhst dich auf meinen Lorbeeren aus und hast womöglich auch noch haufenweise Kritikpunkte. Was hätte ich nicht alles anders und vor allem besser machen müssen?!  Du haderst ja hoffentlich nicht mit den Entscheidungen, die ich getroffen habe. Sorry, deine Infos stehen mir aktuell nun mal nicht zur Verfügung also finde dich damit ab! Lässt sich eh nicht mehr ändern.

Kannst du dich noch an den furchtbaren Spruch vom ehemaligen Kollegen erinnern? „Hätte, hätte, Fahrradkette“ – konnte ich schon nicht leiden, als ich das zum ersten Mal gehört habe (den zugehörigen Kollegen noch weniger) und ich kann mir nicht vorstellen, dass du mittlerweile ein Fan solcher abgedroschenen Sprüche bist. Glaub mir, ich mach das ja nicht, um dich zu ärgern sondern nach bestem Wissen und Gewissen, wie man so schön sagt.

Über die paar Gramm mehr auf den Hüften möchte ich bitteschön auch keine Klagen hören. Was wärst du heute verbittert, hätte ich auf jegliche Genüsse verzichtet. Sei lieber froh, dass ich nicht völlig eskaliere. Ich hätte Appetit für eine ganze Fußballmannschaft und nur, damit du noch eine „gute Figur für dein Alter“ dein eigen nennen kannst, verkneife ich mir die zweite Portion – und die dritte, und die vierte… Da siehst du mal, wie sehr ich mich um dich sorge!

Apropos verkneifen. Du glaubst ja nicht, wie gerne ich jeden Urlaub an tropischen Stränden verbringen würde. Sorry, hatte ganz kurz vergessen, dass du das ja weißt. Und komm mir bloß nicht mit unserem Gewissen bezgl. Umwelt. Wir reden hier nur über DICH! Damit du mit deiner mickrigen Rente noch über die Runden kommst, hab ich dir regelmäßig was in die Altersvorsorge gelegt. Wenn das mit der Gesundheit und Fitness nicht wäre, hätte ich das Geld auch in Speckringe anlegen können, dann wärst du nahrungstechnisch gut abgesichert.

Aber nein, ich will ja nicht, dass du dich mit unnötig vielen Zipperlein rumschlagen musst. Mit den üblichen Alterserscheinungen hast du wahrscheinlich schon genug zu kämpfen. Da muss ich dir nicht auch noch Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Allergien aufbürden. Ich kümmere mich gut um unsere Gesundheit, so neben Beruf, Haushalt, Hobbys und dem ganz normalen Wahnsinn.

Sport, Sparen, Spaß? Nee, überhaupt nicht! Wenn du also der Meinung bist, ich hätte mehr machen müssen, dann erklär mir doch bitte mal, woher du vor lauter Vorsorge all die schönen Erlebnisse und Erfahrungen genommen hättest!

Ja, womöglich müsstest du dich über die eine oder andere Runzel weniger ärgern, hätte ich mir mehr Schlaf gegönnt. Aber du bist halt keine zwanzig mehr – ich ja auch nicht – und du hast doch längst schon akzeptiert, dass die Zeiten von Babyhaut und Pfirsichpopo (oder andersrum?) vorbei sind. Dafür weißt du hoffentlich immer noch, wie man feiert. Falls nicht, schau bzw. hör mal in deine alte Playliste. Na, ist da noch Schwung in den alten Hüften? Jetzt erinnerst du dich wieder an die coolen Partys, nicht wahr? Die sind doch jede Falte wert, das meiste sind ja eh Lachfältchen.

Wobei das frühe Aufstehen unter der Woche schon auch seine Spuren hinterlässt. Ganz brav hüpfe ich mit dem ersten Weckerklingeln aus dem Bett, nix Schlummertaste. Und noch vor dem ersten Kaffee geht es auf die Matte, Krafttraining und Yoga. „Tiny Habits“ sollen mich zu einem besseren Menschen machen und ich soll ja nicht zu früh wieder alles hinschmeißen. Du, liebes zukünftiges Ich, wirst es mir angeblich danken. Aber mein heutiges Ich ist einfach nur hungrig und müde und möchte ein bisschen umsorgt und lieb gehabt werden.

Ich hoffe, du weißt das zu schätzen, wie ich mir hier im jetzt und heute den Arsch für dich aufreiße. Und bist auch ein bisschen stolz auf mich bzw. dich!

Und ebenso bist du gefälligst ein bisschen nachsichtig, wenn ich nicht alles richtig gemacht haben sollte. Denn bei all der Vorsorge muss ich auch mal fünfe gerade sein lassen, das Leben genießen, einfach mal chillen. Das kannst du hoffentlich auch noch, du weißt schon, Gelassenheit und so…

Und wehe, du bist so eine garstige, starsinnige und verbitterte Fuchtel geworden. Das war nicht der Deal!

37 thoughts on “Liebes zukünftiges Ich

  1. Was für ein geiler Blogartikel, liebe Vanessa. Den klau‘ ich mir mal als Inspiration und wenn ich ihn geschrieben haben (sollte), verlinke ich zu Dir.

    Danke übrigens für Deinen Kommentar. Ja, ja, die Bilder im Kopf zum „unterwegs arbeiten“. Manchmal schreibe ich einfach viel besser Zuhause, aber ich werde mich jetzt öfters ins Cafè setzen.

    Liebe Grüße,
    Marita

  2. hihi – super idee für´n post!!
    bin ja höchwahrscheinlich genauso alt wie dein zukünftiges ich ;-D
    und ich muss sagen: angesichts der umstände hat sich mein jüngeres ich ziemlich gut geschlagen!
    und ich bin ihm (ihr!) sehr dankbar, dass es „die figur gehalten“ hat – denn: in den wechseljahren wird es erst so richtig schwierig – man nimmt zu wenn man essen nur anguckt…… hat man also bis dahin schon gut zugelegt, kriegt man dann mit 55 seine schuhe nichtmehr selbst zugebunden – von den gesundheitlichen malaisen, die das nachsich zöge, nicht zu reden.
    xxx

    1. Das wird für mich noch eine große Umstellung. Aktuell verputze ich fast die gleichen Mengen, wie mein Mann – der ist aber 50% schwerer/größer als ich. Dabei habe ich weder einen besonders schnellen Stoffwechsel, noch „gute Gene“. Irgendwie scheint es sich immer von selbst einzupendeln. Aber wir essen beide schon weniger, als noch vor einigen Jahren – aber eben immer noch genauso gerne. Im Zweifel muss ich dann unseren Haushalt einfach sehr laufintensiv auf zwei Stockwerke verteilen 😉

  3. Hast du das Gefühl, dich vor deinem zukünftigen Ich für dein jetziges rechtfertigen zu müssen? Vielleicht interpretiere ich da ein bisschen zu viel hinein, aber es kommt mir so vor, wenn du um Nachsicht bittest. Niemand von uns ist perfekt, aber es reicht ja auch, gut zu sein. Und du bist gut genug, Vanessa! Also halte dich nicht mit Schuldgefühlen auf!

    1. Ich und Schuldgefühle 😂 – ne, ganz sicher nicht. Habe allerdings einige Fälle von Altersgarstigkeit in der Familie, so will ich definitiv nicht werden 🙄

  4. Hallo liebes jetziges Queen-All-Ich !
    ich finde. Du machst das alles ganz doll richtig für Dein zukünftiges Ich. Wehe, es ist nicht zufrieden, dann werde ich dem zukünftigen Ich aber mal ein paar Takte sagen.
    Und es ist ganz sicher, ganz bestimmt mit die beste Vorsorge für zukünftige Ichs, das Leben zu genießen und zu chillen. Das will ja immer wieder geübt werden, damit es auch später komplett verinnerlicht ist.
    Liebe Grüße
    Britta

    1. Liebe Britta,
      bei der Drohung muss sich mein zukünftiges Ich aber warm anziehen 😂
      Stimmt, das mit dem chillen und genießen will auch gelernt sein. Könnte mir da sogar eine Profi-Karriere vorstellen 😉
      Liebe Grüße
      vom jetzigen Queen-All-Ich

  5. Ich glaube, die Idee behalte ich mal im Hinterkopf. Vielleicht schlägst du es Sunny für eine Parade im nächsten Jahr vor?
    Super geschrieben, alles wahr und das Leben möchte gelebt werden, deshalb wurde es uns als großes Geschenk überlassen.
    Also, bleib dabei, mit Schoklade, Genuss und Freude
    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Man geht immer viel zu leichtfertig mit der verfügbaren Zeit um – dabei entgeht einem völlig, dass man das Leben ja auch genießen kann. Und die kleinen Glücksmomente sollte man viel bewusster wahrnehmen, das schau ich mir wiederum bei anderen Beiträgen ab 😉
      Liebe Grüße
      Vanessa
      PS: Bei Sunny kann ich nicht kommentieren aber du darfst die Idee gerne weiterverbreiten 😉

  6. Genau, einfach mal chillen. Wir halten uns im Allgemeinen viel zu viel mit Selbstoptimierung auf und hadern mit uns.
    Sehr schön geschrieben 😀

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Ja, und mit Selbstoptimierung lässt sich halt mehr Geld machen. Nicht umsonst füllen Bücher dazu endlose Regalreihen, während übers Chillen eher weniger geschrieben wird. Kein Wunder, entsprechende Autoren chillen wahrscheinlich selbst lieber, als ein Buch drüber zu schreiben 😉

  7. Hihi, schöner Post! Lass uns in 20 Jahren nochmal darauf zurückkommen. Wär echt interessant zu erfahren, was sich denn nun tatsächlich getan hat, nichtwahr? Ich glaub, ich bin deutlich älter als du, deshalb hier und jetzt zur Entspannung: Alles nicht so schlimm. Auch wenn dein zukünftiges Ich ein paar Kilo mehr auf den Rippen oder Falten auf der Stirn haben sollte: vergiss sie. Man wird i.d.R. viel entspannter und merkt, dass es a) ganz normal, weil hormonbedingt ist, und b) so absolut keinen Einfluss auf ein (gutes) Leben hat, dass man es getrost einfach akzeptieren kann. Der Bedarf nach feiern, ausgehen, Action per se wird kleiner, anderes dafür umso wichtiger. Das einzige, was manchmal ein wenig nerven könnte, sind die körperlichen Malaisen, die unweigerlich kommen. Früher oder später. Aber ich seh‘ jeden Tag Menschen, denen es wirklich Sch***** geht- da sind doch meine paar Zipperlein einfach Pipifatz.
    Die Einstellung machts. So einfach ist das eigentlich!
    Liebe Grüsse!

    1. In 20 Jahren nochmal zurückzuschauen, wird bestimmt lustig. Ich wundere mich heute schon darüber, wie naiv mein jüngeres Ich vor 20 Jahren teilweise war. Und noch mehr über mein damals 15-jähriges Ich, dass alle Menschen über 30 furchtbar alt fand und bloß nicht so werden wollte. Andererseits gab es auch viel ältere Menschen, die ich cool fand und die kamen mir dann gar nicht so alt vor. Ob ich heute mit 45 in letztere Bewertung gefallen wäre, weiß ich nicht. Aber für nichts in der Welt würde ich Lebenserfahrung gegen ein paar Jahre weniger auf dem Tacho eintauschen! Und ja, es hilft ungemein, auch mal nach links und rechts zu schauen. Dann merkt man in der Regel, dass es einem gar nicht so schlecht geht (sagts sich natürlich leicht, wenn die Zipperlein noch weit weg sind).
      Liebe Grüße!

  8. Liebe Vanessa, da fällt mir total auf, dass ich nicht weiß wie alt Du bist.
    Lebe Dein Leben nicht nur für die Zukunft, sondern auch ganz doll für die Gegenwart. Das sagt Dir eine, die im medizinischen Bereich arbeitet. Das macht es einfach mit mir.
    einen schönen Donnerstag, liebe Grüße Tina

    1. Ich weiß, dass ich mit meinen zarten 45 vieles noch nicht weiß 😉. Aber dass man sein Leben auskosten sollte und das vor allem in der Gegenwart – das finde ich, kann einem gar nicht früh genug bewusst werden.
      Liebe Grüße
      Vanessa

  9. Hallo Vanessa,
    so ein toll geschriebenes „Selbstgespräch“. Hätte, hätte, … da ist doch was dran: immer nach vorne schauen, bereuen hilft nichts und man kann die Zeit nicht zurück drehen. Mein heutiges Ich, also das morgige von gestern, sagt mir: ohne die Erfahrungen, die ich gemacht habe, wäre ich nicht da, wo ich heute bin und da fühle ich mich wohl. Ich hoffe, wir werden beide noch zufrieden mit unserem jeweiligen jetzigen Ich sein, wenn wir alt sind.
    Liebe Grüße
    Susanna

    1. Hallo Susanna,
      ja, man kann mit all den getroffenen Entscheidungen hadern – ändern kann man sie nicht. Ich habe kein Problem damit, mal den Kurs zu korrigieren aber wenn mir jemand die Ohren voll heult, dass ja alles besser wäre, wenn man früher nur eine andere Wahl getroffen hätte, löst das bei mir Würgereiz aus. Jammern und Hadern bringt nichts gegen Unzufriedenheit und wenn man eigentlich ganz zufrieden ist, bringt es noch viel weniger!
      Liebe Grüße
      Vanessa

  10. Wow, was für ein starker Post! So toll geschrieben, und die Idee ist einfach klasse. Ja, dieses „Hätte, hätte“… ich sag’s auch oft, aber immer nur zum Spaß! Und es macht auch überhaupt keinen Sinn, irgendwas zu bereuen oder zu bedauern. Am Sterbebett: „Ach, hätte ich doch nur!“ was fürn Quatsch. Bringt ja außerdem auch nicht mehr so viel. Da halte ich’s eher mit Brian und pfeif mir eins: „Always look on the bright side of life“ und so.
    Und das Ding mit den Wechseljahren und dem Halten der Figur, ich sag mal so: stimmt schon, aber dafür wird man deutlich gelassener! Hey, ich werd 56, bin gesund und noch einigermaßen fit, was soll’s. es bringt ja auch nix, 10 Jahre früher weniger zu essen. Wirklich nicht, also genieß es, so lange dein Stoffwechsel das verkraftet! :-DDD
    Um dem „Hätte-hätte“-Spruch was entgegenzusetzen: Kommt Zeit, kommt Rat!“ hihi.
    Herzliche Grüße, Maren

    1. Dazu fällt mir nur ein: „Ergreife die Gelegenheit. Denk an all die Frauen auf der Titanic, die den Dessertwagen weitergewunken haben.“ (von Erma Bombeck)
      Wenn man ist, wie ein Spatz, passt sich der Stoffwechsel ja auch entsprechend an – ein Teufelskreis. Wenn sich alles einigermaßen im Gleichgewicht hält, wird´s schon passen – solange die Hosen dann noch passen 😁.
      Liebe Grüße
      Vanessa

  11. Was »abgedroschene Sprüche« angeht, belehrt uns fortgeschrittene Lebenserfahrung halt oft eines Besseren:
    »Der Weg ist das Ziel« hört man zuweilen als Lebensweisheit, aber das ist freilich Unsinn – zutrifft vielmehr: Das Ziel ist das Ziel, doch der Weg ist im Weg. 😉

  12. Hey,
    ich finde das Schreiben an das zukünftige ich sehr klasse. Ich nehme das ab und zu mit in den Unterricht auf und da schreiben wirklich einige Romane. Bedingung: schreibe liebevoll an dich selbst.
    Liebe Grüße!

    1. Papperlapapp, das zukünftige begleitet mich fast genauso lang, wie das jetzige. Da muss sich dann schon anhören, dass sich das jetzige nichts anhören will 😉.
      Auweia, da bekommt man ja einen Knoten im Hirn 😂

    1. Ich bedanke mich jetzt mal ganz artig für das zukünftige Ich für die lieben Wünsche! Das wird das sonst womöglich vergessen, bis es soweit ist 😉
      LG
      Vanessa

  13. Toll geschrieben. Nun gut. Mein zukünftiges ICH wer weis wie lange das noch da ist – gemessen an meinem Alter und der Lebenserwartung meiner Ahnen vielleicht noch 20 oder 25 Jahre. Keine Ahnung. Mein altes ICH ist sicherlich das eine oder andere mal falsch abgebogen oder aus Bequemlichkeit gar nicht.
    Mal sehen was mein Zukunfsich so auf Lager hat.

    LG
    Ursula

    1. Mann muss auch mal einen Umweg gehen, so kommt man an dem einen oder anderen schönen Plätzchen vorbei 😉. Ich staune auch, was für Irrungen und Wirrungen mein altes Ich schon fabriziert hat. Hat mich aber da hin gebracht, wo ich heute bin und dafür muss ich dem alten Mädchen auch mal auf die Schulter klopfen! Das hat sie nicht kommen sehen. Da muss sich das zukünftige Ich echt anstrengen, um da mitzuhalten.
      LG
      Vanessa

  14. Hahaha, der Blog ist ja mal Mega. „Hätte hätte Fahrradkette“ ist die kleine Schwester von „werden wir sehen, sagte der Blinde“. Zumindest meiner Meinung nach 😉

    1. Es gibt so Sprüche, da rollen sich einem die Zehennägel auf. Dabei kann ich auch über (gute) Flachwitze gerne und herzlich lachen – die Fahrradkette gehört nicht dazu 😬

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