Mindset

Decision Fatigue – keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung

Wie leben in einer Zeit der grenzenlosen Möglichkeiten. Egal, ob es um die Wahl der passenden Berufs oder nur um das Aussuchen des besten Joghurts geht. Wir müssen zwischen den vielen Optionen die richtige für uns finden und eine Entscheidung treffen.

Das beginnt schon in dem Moment, in dem wir morgens die Augen aufschlagen. Stehe ich sofort auf oder bleibe ich noch ein paar Minuten liegen. Kaffee oder Tee, T-Shirt oder Hemd… Da auch unser Hirn nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung hat, hat es bereits einige Prozesse automatisiert. Aber es bleibt noch genug Entscheidungen übrig, sonst könnte es uns ja noch langweilig werden. Experten gehen von mehreren tausend Entscheidungen aus, die wir oftmals unbewusst über den Tag treffen.

Aber auch die Anzahl der bewussten Entscheidungen, die wir im Laufe des Tages treffen, ist nicht klein. Allein beim Einkaufen von Lebensmitteln stehen wir vor einer riesigen Fülle an Produkten. Doch diese unbegrenzte Vielfalt überfordert uns meist mehr, als dass sie uns nützt.

Um sich nicht jedesmal durch das gesamte Sortiment eines Ladens zu wühlen, hat so ziemlich jeder seine präferierten Produkte zu denen er nicht nur aus Gewohnheit sondern meist auch aus Überzeugung immer wieder greift. Doch was, wenn der Hersteller der Ansicht ist, dass die Rezeptur einer Verbesserung bedarf (auch wenn die nur darin besteht, das Produkt für ihn günstiger zu produzieren und damit seinen Gewinn zu steigern). Da stehen wir nun vor vollen Regalen und müssen überlegen, welches Shampoo uns zukünftig zu Superkräften verhelfen soll. Zumindest die Werbeversprechen wollen einen glauben lassen, dass nur mit dem richtigen Produkt unser Leben sofort perfekt und sorgenfrei sein wird.

Ich bin irgendwann komplett auf Naturkosmetik umgestiegen. Dabei habe ich die begrenze Auswahl an Produkten und die kürzeren Regalmeter eher positiv wahrgenommen. Mittlerweile ist das Sortiment an guten Produkten um einiges gewachsen. Wer also noch nicht weiß, was er mag, kann sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigen. Es heißt nicht umsonst die „Qual der Wahl“.

Doch das ist alles nicht relevant angesichts der großen und langfristigen Entscheidungen, die wir immer wieder zu treffen haben und die unser ganzes Leben prägen. Alleine die Wahl des geeigneten Bildungsweges, des passenden Studienganges oder des richtigen Jobs können uns viele schlaflose Nächte bereiten. Doch sich von der Menge der Möglichkeiten überwältigen zu lassen und zu lange in endlosen Gedankenschleifen die Fürs und Wider durchzuspielen, lähmt und bringt uns nicht weiter. Wer immer Angst hat, die falsche Wahl zu treffen, verliert oft einfach nur unnötig Zeit und hat am Ende doch keine Gewissheit. Denn in die Zukunft schauen können wir alle nicht – und hinterher ist man immer schlauer.

Was hilft?

Wer im Hier und Jetzt Entscheidungen trifft, lernt auch langfristig bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn ihr also mal wieder vor dem Regal mit den Süßigkeiten steht, entscheidet euch für das Erste, was euch anspricht. Mit Schokolade kann man auch sehr gut lernen, auf das Bauchgefühl zu achten. Mein Bauch sagt zum Beispiel immer: „Fühlt sich gut an, gib mir mehr davon“. Hier braucht ihr keine Angst vor den Konsequenzen zu haben und beim nächsten Einkauf stehen euch wieder alle Optionen offen. Aber ihr trainiert sozusagen euren Entscheidungsmuskel.

Wenn ihr auch zwischen Option A und Option B entscheiden müsst und euer Bauchgefühl euch mal im Stich lässt, könnt ihr einfach eine Münze werfen. Wie fühlt sich ihr euch mit dem Ergebnis. Fühlt es sich richtig an, könnt ihr mit diesem Ergebnis leben? Oder hättet ihr lieber doch die andere Option? Dann ist die Entscheidung ebenfalls schon gefallen.

Manche Menschen erstellen gerne ganz klassische Pro&Contra-Listen für alle Optionen, die zur Auswahl stehen. So bekommt man ein gutes Gefühl das man (fast) alle Aspekte betrachtet hat und kann Schritt für Schritt die Möglichkeiten eingrenzen.

Alternativ kann man sich auch auf einen einzigen Aspekt als wichtigsten Entscheidungsfaktor festlegen. Das könnte der Preis eines Produktes sein oder die Wegstrecke zu einem Ausflugsziel. Natürlich ist diese Methode bei wichtigen Dingen wie der Berufswahl nicht wirklich zielführend. Sie kann aber entsprechend erweitert werden. Ich kann also einzelne Aspekte priorisieren und dann eine Art Entscheidungsbaum aufbauen. Beispielsweise kann ich damit starten, alle Jobangebote, die unter meinen Gehaltsvorstellungen liegen, auszusortieren (wenn dann nichts mehr übrig bleibt, habt ihr vielleicht ganz andere Probleme). Danach schaue ich mir an, bei welcher Firma ich Weiterentwicklungsmöglichkeiten habe. Vielleicht ist dann auch die Stecke zum Arbeitsplatz relevant. So kann ich mir Schritt für Schritt ein Ergebnis erarbeiten. Und es hilft, sich bewusst zu machen, dass man Entscheidungen auch revidieren kann. Ich muss nicht bis zur Rente im selben Unternehmen arbeiten. In der heutigen Zeit bleiben viele nicht mal in derselben Branche.

Auch zu viele Grübeleien können unsere Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, negativ beeinflussen. Wenn sämtliche Ressourcen mit Sorgen und negativen Gedanken überlastet sind, sind wir zu gestresst, um gute Entscheidungen zu treffen.  Oft ist es hilfreich, etwas Abstand zu gewinnen. Manchmal hilft schon ein bisschen frische Luft in der Natur oder die Beschäftigung mit etwas ganz anderem. Unbewusst arbeitet das Gehirn weiter und hilft uns, eine gute Lösung zu finden.

Oder man schläft eine Nacht drüber. Wer einen langen Tag hinter sich hat, hat zwangsläufig auch schon viele kleine und vielleicht auch große Entscheidungen getroffen.  Und das Treffen von Entscheidungen macht uns müde, daher der treffende Begriff der Entscheidungsmüdigkeit. Wichtige Entscheidungen sollte man also angehen, wenn man wach und ausgeruht ist.

Und bei allem sollte man sich immer vor Augen halten: Keine Entscheidung zu treffen, ist auch eine Entscheidung. Im Zweifel für die Beibehaltung des Status Quo. Also Schluss mit Aussitzen!

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