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Souvenirs – Konsumsünden im Urlaub

Der Sommer, egal wie gut oder schlecht das Wetter mitspielt, ist und bleibt die klassische Reisezeit. Und ganz egal, wo uns die Reise hinführt, ob ans andere Ende der Welt oder nur in die nähere Umgebung, sobald wir im Urlaubsmodus sind, ticken wir ein bisschen anders. Das ist ja auch das Ziel, raus aus dem Alltag, den Kopf frei bekommen. Nur halt nicht so frei, dass sämtlicher gesunder Menschenverstand zusammen mit allen Vorsätzen, Werten und Plänen gleich mit über Bord gehen.

Reisen mit leichtem Gepäck

Ob zu Fuß, mit dem Rad, Bahn oder Flug. Mit reduziertem Gepäck und wenig Gepäckstücken reist es sich wortwörtlich leichter. Schon beim Packen machen wir uns also viele Gedanken darüber, was wir für die Urlaubstage brauchen, zählen Tage und Unterwäsche an den Fingern ab, überlegen, welche Schuhe bequem sind und doch zu allen Outfits passen. Und oft merkt man gerade im Urlaub, mit wie wenig man doch auskommt und das einem gar nichts fehlt. Im Gegenteil, die reduzierte Auswahl erleichtert Entscheidungen und oft vermisst man die vollen Schränke zu Hause überhaupt nicht. Mancher entledigt sich nach dieser Zeit auch hochmotiviert erst mal von all dem vermeintlichen Ballast und mistet frisch erholt erst mal rigoros seinen Kleiderschrank aus.

Im Urlaub sitzt der Geldbeutel lockerer

Doch bei all den Vorteilen, die wir mit unserem Urlaubs-Hausstand genießen, haben wir eben gerade im dieser freien Zeit oft auch das Bedürfnis, es uns richtig gut gehen zu lassen. Man möchte sich etwas gönnen, sich verwöhnen und dieses Gefühl vielleicht auch ein bisschen zurück in den Alltag retten. Und mit was geht das besser, als mit einem hübschen Souvenir. Nachdem man also erst mal ein paar Tage die Seele hat baumeln lassen, vielleicht mit einem guten Buch am Strand gelegen hat, bummelt man irgendwann durch die Sehenswürdigkeiten und erkundet die Umgebung.

In den meisten Urlaubsorten wird man als Touristen zwangsläufig mit allerlei vermeidlich landestypischen Andenken konfrontiert. Im Grunde meist billiger Tand aus Massenproduktion doch im Urlaub scheint auch das Hirn manchmal eine kleine Auszeit zu brauchen. Und so gibt es wohl noch immer genug Menschen, die dieses Zeug auch kaufen und mit vollen Koffern und zusätzlichen Taschen und Tüten die Heimreise antreten. Wer zwar im Alltag bewusst und nachhaltig konsumiert, will im Urlaub von all den selbst auferlegten Regularien einfach mal eine Pause machen.

Dabei hat man dann nicht nur unnötig viel Geld für überteuerte Produkte ausgegeben. Oft braucht man nichts davon und die meisten Sachen stauben später einfach irgendwo vor sich hin oder verstopfen Schränke und Schubladen. Eine besonders fragwürdige Story musste ich mir auf einer Geburtstagsparty eines Verwandten anhören. Seine Bekannte erzählte, dass sie für Badetücher keinen Platz im Koffer hätte. Diese kauft sie billig am Urlaubsort und schmeißt sie dann am Ende weg. Leider war das nicht mal die einzige Geschichte dieser Art und angesichts solch exorbitanter Ignoranz blieben wir leider ratlos. Manch einer scheint immun gegenüber gesundem Menschenverstand und überzeugenden Argumenten.

Wer sich also wirklich etwas Gutes tun will, überlegt sich genau, ob er das Andenken später wirklich noch so toll findet und der Kauf wirklich Sinn macht. Vielleicht hat es ja einen Nutzen und findet eine regelmäßige Verwendung um Alltag. Oder das Andenken bekommt wirklich einen Ehrenplatz und man freut sich dann auch wirklich darüber.

Neoprenmanschetten aus Thailand, halten seit Jahren unser Bier auch zu Hause kalt.

Vielleicht muss man nicht mal Geld ausgeben. Wir haben mal einen sehr beeindruckenden Pinienzapfen aus unserem Urlaub auf El Hierro mitgebracht. Doch auch hier sollte man vorsichtig sein. An vielen Urlaubsorten ist es aus guten Gründen verboten, bestimmte Dinge mitzunehmen. Dazu gehören oft Muscheln oder Korallen, naheliegend wegen des Umweltschutzes. Doch auch Sand oder Steine können problematisch sein. Man sollte sich also vorher erkundigen und den Verstand aus dem Urlaubsmodus zurückpfeifen.

Alternativ Fotos machen

Im Gegensatz zu früher, wo man ganze 36 Fotos auf einen Film bekommen hat und dann voller Spannung die Abzüge abgeholt hat, haben wir heute mit jedem halbwegs modernen Handy eine Kamera mit schier unbegrenztem Speicherplatz ständig mit dabei. Statt also unnötigen Kruscht mit heim zu schleppen oder die Natur am Urlaubsort zu schädigen, können wir von allem und jedem Erinnerungsfotos machen.

Neugieriger Fisch im Riff

Vor allem als Taucher haben mein Mann und ich nach jedem Urlaub eine ganze Schatzkiste voller einzigartiger Erinnerungen. Damit die nicht auf irgendeiner Festplatte in Vergessenheit geraten, setzen wir uns gerne hin und wieder auf ein paar Bierchen zusammen und lassen am Laptop Musik laufen. Als Nebenbeibespaßung läuft dann der Bildschirmschoner mit den Urlaubsfotos und wir schwelgen in Erinnerungen. Die klassische Diashow, allerdings sehr komfortabel und ohne schnarchende Verwandtschaft.

Noch schlimmer – Mitbringsel

Und dann sind da noch die Daheimgebliebenen, denen wir zeigen wollen, dass wir auch im Urlaub an sie gedacht haben. Ob obligatorische I-Love-Irgendwas-Schlüsselanhänger oder Kühlschrankmagneten in Holzschuhform, die Liste der Mitbringsel des Grauens ist lang. Dabei sollten wir uns wirklich mal fragen, ob wir selbst uns über den meist billigen Schrott freuen würden. Was soll jemand mit einem Andenken an einen Ort, an dem er selbst nie gewesen ist.  

Besser

Wer trotzdem etwas mitbringen möchte, sich selbst oder den Daheimgebliebenen, greift lieber zu Verbrauchsgütern wie z.B. Spezialitäten aus dem Urlaubsgebiet. Aber Obacht, zu Hause schmecken die Sachen oft nicht halb so lecker. Vielleicht ist es das andere Klima, die salzige Meeresluft oder einfach das Urlaubsfeeling, das dafür sorgt, dass uns manches im Urlaub köstlich erscheint. Wenn man dann auf dem heimischen Balkon die mitgebrachte Weinflasche verköstigen will, ist plötzlich nur noch billiger Fusel drin. Im besten Fall hält man sich an sichere Dinge wie z.B. Pasta und Pesto aus Italien, Schokolade aus der Schweiz, Käse aus Frankreich…  –  das ist auch ein kleiner Hinweis in eigener Sache ;-).

Und warum schreiben wir eigentlich keine Postkarten mehr? Gerade in unserem digitalen Alltag hat die altmodische Postkarte, die erst Wochen nach dem Urlaub im Briefkasten landet, etwas besonders charmantes. Es kostet mehr Mühe, man muss sich vorab die Adressen besorgen, am Urlaubsort Postkarten und Briefmarken organisieren, ein paar Zeilen aufschreiben (von Hand!!!) und am Ende auch noch einen Briefkasten suchen. Früher war das mal selbstverständlich und ein unumstößlicher Punkt auf der Urlaubs-ToDo-Liste. Heute sind uns unsere Liebsten gerade mal ein paar schnell getippte digitale Grüße wert, wenn überhaupt.

Wenn also die schönste Zeit des Jahres ansteht, sollten wir trotzdem nicht vergessen, was uns im Alltag wichtig ist. Wem Nachhaltigkeit und bewusster Konsum wichtig ist, wird sich sonst hinterher nur über unnötige Ausgaben ärgern. Wenn wir weniger streng mit uns sind, müssen wir vielleicht im Urlaub auch nicht so über die Stränge schlagen. Und es gibt immer alternative Wege, um das Urlaubsgefühl in den Alltag hinüber zu retten. Vielleicht habt ihr auch noch den einen oder anderen guten Tipp? Ich freue mich auf euer Feedback.

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2 thoughts on “Souvenirs – Konsumsünden im Urlaub

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