Minimalismus Scanner Queen

Du bist was du isst – die perfekte Ernährungsweise

Es heißt ja immer, Religion sei kein geeignetes Thema für Smalltalk und darüber spricht man nicht. Doch wenn man sich die Diskussionen um die vermeintlich richtige Ernährung so anschaut, haben sich zu den bekannten Religionen scheinbar ganz neue Glaubensrichtungen hinzugesellt. Zumindest wird mit einem Feuereifer gestritten, der den nächsten Glaubenskrieg in greifbare Nähe rückt. Ernährung ist die neue Religion, ein Luxusproblem in einem verwöhnten Land, das scheinbar sonst keine wichtigen Themen zu lösen hat.

Allein die Vielfalt der verschiedenen Ernährungsformen kann mühelos mit der Anzahl der Religionen mithalten. Vegetarier, Veganer oder Frutarier, Trennkost oder Low-Carb, (freiwillig) glutenfreie, ayurvedische  oder steinzeitliche Ernährung. Die Glaubensrichtungen sind endlos und essen müssen wir alle. Haben wir nicht genug Konflikte auf unserer Welt, dass wir uns auch noch am Esstisch streiten?

Natürlich gibt es viele Gründe, sich für die eine oder andere Ernährungsform zu entscheiden. Der eine hat mit Allergien und Unverträglichkeiten zu kämpfen, andere hingegen möchten die Umwelt schonen oder ihnen liegt das Tierwohl am Herzen.

Dazu kommen womöglich noch persönliche, gewichtsmotivierte Ziele. Oder einfach der Wunsch, sich gesünder (was auch immer das heißt) zu ernähren. Neben ständig wechselnden abenteuerlichen Diättrends kommen fast schon täglich immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse hinzu. Wobei auch hier ganz klar gilt „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Je nach Auslegung ist das erforschte Lebensmittel, sei es Wein, Koffein oder Öl, mal lebensverlängernd oder es bringt uns auf direktem Weg ins Grab. Wobei wir ja am Ende alle sterben. Daraus könnte man schlussendlich folgern, dass alle Lebensmittel auf Dauer tödlich sind…

Auf die Spitze treiben es regelmäßig zu Jahresbeginn und pünktlich nach dem Festtagsschlemmen an den Feiertagen die besten und schnellsten und neuesten und sich jährlich wiederholenden, immergleichen Diättipps. Von Ananas bis Kohlsuppe, ganz ohne Fett und Kohlenhydrate oder mit ganz viel Fett, natürlich nur das richtige – für jeden Geschmack ist etwas Grauenhaftes dabei.

Kurioserweise wird auch dem Minimalismus ein positiver Aspekt auf die Ernährung und das Körpergewicht zugesprochen. Ein nachvollziehbares Argument wäre, dass eine minimalistische Ernährung den Überfluss an Lebensmitteln wieder auf ein notwendiges und sinnvolles Maß reduziert. Etwas gewagter ist da schon die Behauptung, dass mit der Reduzierung von Gerümpel automatisch auch das gehasste Körperfett abnimmt. Kann man ja auch mal eben in die „Zu verschenken-Box“ packen. Ebenso soll eine ordentliche Umgebung auch die Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper erhöhen und angeblich dazu führen, dass wir uns gesünder ernähren.

Bei mir macht es ehrlich gesagt keinen Unterschied. Ich hatte schon immer einen Hang zu Süßem und auch auf Nudeln und Pizza könnte ich nie verzichten. Zumindest aber sparen minimalistische Rezepte vorzugsweise Zeit und/oder Geld und können abhängig von den Zutaten mit Sicherheit auch hinsichtlich Gesundheit gegenüber Fertigfutter mit endlosen Zutatenlisten punkten.

Dabei geht es eigentlich im Grunde gar nicht so sehr um das was, sonder vielmehr um das wie viel. Denn mal abgesehen davon, dass wir, wenn wir auf bestimmte Lebensmittel verzichten, den Frust und damit auch die eingesparten Kalorien gerne mit Ersatzprodukten kompensieren, macht uns diese ausnahmslose Entsagung auch noch todunglücklich.

Wer also zu Gunsten der Figur abends auf Kohlenhydrate verzichtet, isst womöglich so viele andere Dinge, weil er sich einfach nicht satt fühlt. Stattdessen wäre es wahrscheinlich klüger, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören  – und damit auch auf das Sättigungsgefühl, das viele von uns völlig ignorieren. Und vielleicht ist es auch nur die Kombination mit dem dicken Belag, der aus einer unschuldigen Scheibe Brot den gefürchteten Dickmacher schafft. Dann bleibt vielleicht auch die nächtliche Heißhungerattacke aus.

Unser Steinzeitgehirn hält im Übrigen ebenfalls nicht wirklich viel von irgendwelchen kruden Diäten, vor allem wenn dabei komplett auf die energiebringenden und daher heißgeliebten Kohlenhydrate verzichtet werden soll. Für unser Überleben waren schon immer Lebensmittel mit hohem Kaloriengehalt, hohem Zuckergehalt und hohem Fettgehalt von Vorteil. Unser Gehirn ist also darauf programmiert, genau solche Energieträger zu bevorzugen. Doch im Gegensatz zu unseren höhlenbewohnenden Vorfahren, haben wir heute einen schier unbegrenzten Zugriff auf die Überleben garantierende Kost. Moderne Landwirtschaft und Technologie haben beeindruckende Fortschritte gemacht, aber unser Gehirn hat die Auswirkungen dieser Errungenschaften noch nicht verstanden. Wir müssen also unsere Vernunft bemühen, wollen wir uns nicht völlig den Verheißungen von Lebensmittelindustrie und Werbung hingeben.

Und die Vernunft wäre auch ein guter Ratgeber, wenn es um Ernährungsformen geht. Natürlich wäre es super fürs Klima, wenn wir alle komplett auf Fleisch verzichten würden. Doch nicht jeder will oder kann seine Gelüste unterdrücken. Statt nun einfach komplett zu resignieren ist auch schon ein kleiner Schritt in eine bestimmte Richtung immer noch ein Fortschritt.

Und wenn wir schon nicht komplett auf Fleisch verzichten, wäre auch schon eine Reduzierung ein Gewinn. Ebenso wäre durch ein Weniger in der Menge auch ein Mehr an Qualität möglich – im Bezug auf Fleisch allein aus Tierschutzaspekten definitiv schon eine Verbesserung.

Und trotzdem verurteilen moderne Ernährungsapostel gerne jeden, der ihnen (noch) nicht auf dem Pfad der Tugend folgt.  Hungrige Mitmenschen, die zur falschen Zeit am falschen Tisch sitzen, dürfen sich in lange Predigen anhören, wie böse doch dieses oder jenes Lebensmittel sei. Das damit jedem der Appetit auf ernährungstechnische Verbesserungen vergeht und sich stattdessen Widerstand regt, ist den Eiferern in ihrer Weltverbesserungsmission völlig entgangen.

Nicht von ungefähr kommt der mittlerweile völlig abgedroschene Spruch „Woran erkennt man einen Veganer? Er erzählt es einem“. Niemand will bei fairem Kaffee und glutenfreiem Kuchen belehrt werden. Schon gar nicht, wenn einem jeder Fehler unter die Nase gerieben wird, statt einfach auch mal die Erfolge zu feiern und auch kleine Verbesserungen zu würdigen. Und wenn dann der vermeintlich perfekte Ernährungsguru es dann wagt, seinen Urlaub mit dem Flugzeug anzutreten, werden ihm natürlich alle anderen Bemühungen um ein nachhaltiges Leben abgesprochen.

Der positive Blick auf das all die kleinen Erfolge wäre viel motivierender, als ständiges Genörgel und Dauerkritik. Denn eines dürfen wir bei all dem nicht vergessen: Niemand ist perfekt und das ist auch ok so!

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4 thoughts on “Du bist was du isst – die perfekte Ernährungsweise

  1. Ich stimme dir total zu, bei Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung zählen alle kleinen Schritte! Es ist meist auch gar nicht möglich, sich da von heute auf morgen komplett umzustellen. Wichtig ist daher ersteinmal, dass man überhaupt etwas tut und die neuen Gewohnheiten dann beibehält und nicht nach wenigen Wochen wieder verwirft.

    1. Stimmt, dass sehe ich auch bei meinem Fleischfresser. Bei dem gab es früher täglich Fleisch in der Kantine. Nun entdeckt er Schritt für Schritt neue fleischfreie Rezepte (ich liebe seine Pasta mit getrockneten Tomaten) und legt mittlerweile viel mehr Wert auf Qualität und Herkunft. Jeder muss den Weg in seinem Tempo gehen. Viel wichtiger ist es, überhaupt loszugehen.

  2. Das hast Du sehr gut zusammengefasst, da kann ich Dir 100% zustimmen! Ich hab auch so einen Fleischfesser zu Haus, aber der hat seinen Konsum schon sehr heruntergefahren – es gibt vielleicht noch so einmal im Monat Wurst oder Schinken und vielleicht, wenn wir essen gehen. Die Veganer, die ich kenne, missionieren übrigens nicht ungefragt. Ich glaube, viele fühlen sich einfach unter Rechtfertigungszwang, wenn sie mitbekommen, dass jemand sich „besser“ ernährt als sie selbst, denn mittlerweile dürfte jeder mitbekommen haben, dass zuviel Tier weder gesund noch nachhaltig ist. Und nein, ich bin nicht 100% vegan, noch nicht mal 100% vegetarisch – aber so zu 80% schon, würde ich sagen.

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