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Ressourcenumverteilung oder warum ich Steine mit mir herumtrage

Als kreativer und handwerklich nicht völlig unbegabter Mensch macht er mir unheimlich viel Spaß, neue Dinge zu erschaffen. Schon als Kind konnte ich Sunden mit Malen und Zeichnen verbringen. Allerdings schafften es meine gesammelten Werke  nur bis in die Untiefen von Schubladen und Schränken. Es ist nicht so, dass ich völlig talentbefreit wäre. Allerdings wollte ich selbst keine meiner Zeichnungen an den Wänden hängen haben und meine Mitmenschen mag ich zu sehr, als dass ich ihnen meine kreativen Ergebnisse zugemutet hätte. Und so füttere ich eben die Papiertonne mit dem, was sich so ansammelt. Doch das ist nicht wirklich befriedigend und auch mein grün angehauchtes Gewissen schmerzt dabei. Was also tun mit dem Bedürfnis nach Kreativem Austoben, wenn man gleichzeitig ein Bedürfnis nach (Frei)Raum und Leichtigkeit hat.

Auch wenn jeder selbst entscheiden muss, was für ihn als Minimalist wichtig ist und was er braucht, für mich ist es Ballast, wenn ich einen Berg Zeichnungen im Schrank horte. Ich mag es, wenn alles seinen Zweck und Platz hat.

Nebenbei blutet dem kleinen geizigen Schwaben in mir das Herz, wenn ich dafür auch noch teures Zeichenpapier vergeude. Im Zeichenkurs wird vorausgesetzt, dass man einen anständigen Zeichenblock mitbringt. Doch eigentlich wäre zum Lernen und Üben einfaches Recyclingpapier das man auch für den Drucker nimmt viel günstiger. Wieso Ressourcen verschwenden, wenn man gerade Licht und Schattenspiel im klassischen Stillleben austestet oder Muster und Formen kreiert?!

Ich weiß, manch einer greift für sein Hobby gerne auch mal tief in den Geldbeutel. Doch ich kenne mich und weiß, dass ich schnell mal die Lust an einem Thema verliere. Da macht es einfach keinen Sinn, gleich in die große Profiausstattung zu investieren.

Doch was tun, wenn sich Künstler und Minimalist mal wieder einen verbissenen Kampf liefern? Irgendwie finde ich doch immer wieder zum Zeichnen zurück. Selbst wenn zwischen den kreativen Anfällen gerne mal Jahre vergehen – oft bleibt ja wenig Zeit für all zu viele Hobbies – packt mich irgendwann wieder die Lust daran.

Vor einiger Zeit bin ich dann über ein paar hübsch bunt bemalte Steine gestolpert und habe diese Idee für mich übernommen. Zwar male ich nicht gerne mit Farbe aber besonders glatte Kiesel eignen sich hervorragend um mit einem feinen Filzstift verziert zu werden. Und das schöne ist, man kann die Resultate wieder in die freie Wildbahn entlassen.

Die richtigen Steine finden sich vor allem am Rande von fließendem Wasser. Beim Tauchen im See bin ich auch schon mit etwas mehr Gewicht aus dem Wasser gestiegen und die mit Abstand schönsten und glattesten Steine finde ich natürlich (aber leider viel zu selten) direkt am Meer.

Leider fehlt mir aktuell die Zeit, um mal wieder auf die Jagt nach passendem Grundmaterial zu gehen. Der Kopf ist voller Ideen und Zitate, die in Stein gehauen – nee, Quatsch – auf Stein gepinselt werden wollen. Und aus Gründen der Umverteilung ist nichts mehr hier im Haus, was auf mich als Urheber der bemalten Steine hinweist.

Die Steine dürfen nämlich nur bleiben, bis sie ein kleines Kunstwerk tragen. Manchmal eine Zeichnung, manchmal einen Spruch, unterzeichnet mit einem Pseudonym. Dann nehme ich sie mit und setze sie irgendwo wieder aus. Gerade in näherer Umgebung auf den „Hausstrecken“ gibt es ein paar sehr hübsche Plätzchen, an denen sich ein aufmerksames Auge dann über die kleinen Steine freuen kann. Ich selbst schaue dann auch bei jedem Vorbeigehen, ob der Stein noch da ist. Oft verschwinden sie nach ein paar Tagen, anscheinend finden sie meist schnell wieder ein neues Zuhause.  

Eine Zeitlang habe ich von allen Steinen fleißig Fotos gemacht, vor allem wenn ich sie irgendwo ausgesetzt habe. Irgendwie sind die Fotos aber leider einem Neuaufsetzen meines Rechners zum Opfer gefallen. Bei all der doppelten Datensicherung scheint das Flüchtige an diesem Hobby sich wohl bis hin zur digitalen Erinnerung durchzuziehen. Ein letztes Bild habe ich unter den Urlaubsfotos der vergangenen Jahre gefunden, das ziert nun diesen Beitrag.

Für mich bleibt der Spaß an dem Spiel aus Sammeln, Verschönern und Laufen lassen. Bis auf einen schwarzen Fineliner und etwas Fixierlack brauche ich nichts und meine eigenen 4 Wände quellen nicht irgendwann über von all den gesammelten Werken. Und nebenbei kann ich so vielleicht dem einen oder anderen Spaziergänger ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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4 thoughts on “Ressourcenumverteilung oder warum ich Steine mit mir herumtrage

  1. ich finde diese steinesammeln – um sie zu bemalen oder aufzuschichten – eine unsitte: unter jedem stein in der natur wohnt (mindestens) einer, der dann obdachlos wird. auch kleinstlebewesen sind wichtig, manche behaupten sogar sehr wichtig…..
    wenn du zeichnen willst: wir habe auf der kunstschule auf packpapier gearbeitet – günstig, recycled und durch farbe und struktur viel interessanter als weisses, glattes papier. und im künstlerbedarf gibts sehr günstig graphitstifte ohne holz in diversen härten – macht an sich allerdings die hände schmutzig 😀
    xx

    1. Ja, da muss ich dir Recht geben. Ich mache das auch nicht im großen Stil und eher in der (leider) eh schon toten Betonwüste. Die Steine finden sich ja dort zu Genüge. Aber Natur geht vor!
      Der Tipp mit dem Packpapier gefällt mir sehr, ich wollte nämlich mal wieder mit Kohlestift zeichnen. Dreckige Hände gehören da einfach dazu. Graphitstifte kenne ich noch nicht, normalerweise nutze ich einfach, was sich so im Schrank finde. Vielleicht eine gute Alternative, bevor ich einen Kohlestift anschaffe.

  2. Ich find’s eine schöne Idee! Ich würde mich sehr freuen, wenn ich so einen Stein sehen würde. Ich habe Anfang des Jahres Zentangles für mich entdeckt , dazu braucht frau auch nur einen schwarzen Stift und ggf. einen Bleistift zum schraffieren und etwas Papier – da tut’s auch die Rückseite von Druckerpapier oder ein altes Schulheft. Ich denke, man könnte die Bildchen auch auf Steine malen..

    1. Zentangles liebe ich auch. Da könnte ich auch schon stundenlang die Videos anschauen. Das fasziniert mich, wie aus ganz einfachen Strichen total irre Muster entstehen.

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