Minimalismus

Wieder etwas leichter – der (un)geliebte Papierkram

Bei all der Völlerei rund um die Feiertage kann einen schon mal das Bedürfnis erschleichen, sich wieder etwas leichter zu fühlen. Natürlich erklärt sich so auch der Zulauf in den Fitnessstudios zu Beginn eines neuen Jahres in Verbindung mit den guten Vorsätzen, gesünder, fitter und schlanker zu werden.

Jetzt ist bei uns nicht wirklich das große Fressen losgebrochen und wir haben uns keinesfalls der maßlosen Fresslust hingegeben. Klar hat man im Urlaub zu Hause mehr Zeit zum Kochen und da gibt es auch das eine oder andere leckere Highlight (zum Beispiel meine Lieblingskartoffelsuppe) aber schwerer wird man davon alleine ja zum Glück nicht.

Trotzdem miste ich in dieser Zeit gerne aus und mache klar Schiff. Was uns dann verlässt, ist zwar im Umfang nicht viel aber dafür umso erleichternder – es geht nämlich um den von uns allen so geliebten Papierkram.

Da ich nach wie vor begeistert mein Haushaltsbuch pflege, wird dieses fürs neue Jahr vorbereitet. Es ist nur eine profane Excel-Tabelle, aber die will ja auch hübsch sein. Dabei schaue ich auch gleich, ob es etwas zu tun gibt hinsichtlich der laufenden Verträge. Muss etwas gekündigt werden, gibt es einen besseren Anbieter oder haben sich die laufenden Kosten erhöht, was wiederum Auswirkungen auf unsere monatlichen Fixkosten hätte.

Und wenn man dann schon dabei ist, wird natürlich alles aussortiert, was man nicht mehr braucht. Rechnungen und Verträge hebe ich immer ein bisschen länger auf, als nötig. Aber wenn die Garantie für etwas abgelaufen ist, fliegt meistens auch die Rechnung raus. Selbst wenn ich etwas später mal verkaufen sollte, muss ich sowieso damit rechnen, dass kaum einer bereit ist, den meiner Meinung nach aktuellen Verkehrswert zu zahlen. Mal abgesehen davon, dass wir nicht so viel besitzen, dass wir loswerden wöllten. Und wenn mal was geht, wird es meistens verschenkt. Ich mag es, wenn ich mit brauchbaren Dingen noch jemandem eine Freude machen kann, uns geht’s ja vergleichsweise gut.

Also fliegen alle veralteten Rechnungen raus (Ausnahme: man braucht sie im Versicherungsfall als Nachweis für die Hausratsversicherung). Dazu gehen auch gleich die dazugehörigen Anleitungen, die ich lieber digital habe oder in die ich eh nie reinschaue. Oft stehen da eh nur noch Sicherheitshinweise in gefühlt tausend Sprachen drin mit dem Verweis, sich die Anleitung doch runterzuladen.

Auch alte Zertifikate fliegen bei mir manchmal raus. Hängt natürlich davon ab, was das für ein Wisch ist. Wenn man sich an nicht mehr als den Titel des Seminares erinnern kann (wenn überhaupt) und der Nachweis für den Beruf nicht wichtig ist, kann das Dokument wahrscheinlich weg.

Ebenso horte ich keine Urkunden. Die haben meist mehr einen ideellen Erinnerungswert, als dass man sie wirklich braucht. Das fängt mit der Teilnehmerurkunde für die Bundesjugendspiele an. Und dass man es ein volles Jahrzehnt oder länger beim selben Arbeitgeber ausgehalten hat, interessiert auch keinen.

Natürlich gibt es auch Dokumente, die keinesfalls verloren gehen sollten, geschweige denn dass man sie absichtlich ausmistet. Unterlagen wie Geburtsurkunden o.ä., welche die Abstammung und Identität nachweisen, müssen bleiben. Ebenso sollte alles zur Ausbildungs- und Arbeitslaufbahn wie Zeugnisse, Meisterbriefe etc. aufbewahrt werden. Darüber müssen wir glaube ich nicht reden, die Arbeitszeugnisse bleiben, auch wenn es den alten Arbeitgeber womöglich längst nicht mehr gibt.

Was ich bis dato nicht wusste (und welche Info hoffentlich nie brauchen werden), ist, dass man Gerichtsurteile und Vollstreckungsbescheide ganze dreißig Jahre aufbewahre muss. Aber man lernt ja nie aus.

Nicht annähernd so lange müssen Gehaltsabrechnungen aufbewahrt werden. Manche Unternehmen haben die ja glücklicherweise schon digitalisiert. Ich bekomme meine (wieder) in Papierform. Theoretisch könnten die Gehaltsabrechnungen weg, sobald ich sie kontrolliert habe oder spätestens, wenn man die Lohnsteuerbescheinigung in der Hand hält.

ABER – wer zum Beispiel einen größeren Kredit aufnehmen möchte, braucht dafür oft die Abrechnungen der letzten drei Monate. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, bewahrt einfach die Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate auf.

Die Lohnsteuerbescheinigung behält man selbstverständlich bis zur Rente, auch wenn man sie erst mal hauptsächlich für die Steuerunterlagen braucht. Diese wiederum sollte man als Privatperson mindestens laut Lohnsteuerhilfeverein mindestens vier Jahre behalten. Und hier gibt es einige Ausnahmen, die die Aufbewahrungsfrist noch ganz schön ausdehnen können. Den Steuerbescheid selbst sollte man mindestens zehn Jahre oder besser dauerhaft archivieren.

Wer als Eigentümer oder Vermieter Handwerker- und Dienstleistungsrechnungen hat, kann diese ja wunderbar steuerlich geltend machen.  Nach sechs Jahren dürfen die Unterlagen dann aussortiert werden. Alle anderen können die Rechnungen schon nach zwei Jahren entsorgen, davor benötigt man sie aber als Nachweis für etwaige Gewährleistungsansprüche.

Bleiben noch private Kontoauszüge, Übergabeprotokolle, Nebenkostenabrechnungen, Mietverträge und ähnliche Unterlagen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, diese für drei Jahre aufzubewahren.

Digital wird auch gleich ein bisschen aufgeräumt. Da gelten dieselben Regeln, wie für die analogen Unterlagen. Alte Rechnungen können hier ebenso weg und auch diverse andere Dateien kann man bei der Gelegenheit mal aussortieren. Gegebenenfalls kann man gleich mal die Ordnerstruktur anpassen. Wie bei den Vorratsdosen im Küchenschrank bringt es nämlich gar nichts, wenn nicht alles ordentlich und sinnvoll beschriftet ist.

Mein Kryptonit ist der große Ordner mit dem treffenden Namen „Sonstiges“. Der ist wie die böse Krimskramsschublade, nur in digital. Ein Komiker meinte mal, der Ort, an dem man Batterien lagert, zieht allen möglichen anderen Krempel an. Leider stimmt das bei uns im Haus aber das liegt auch daran, dass wir nicht so viele Batterien lagern, dass diese ein ganzes Schrankfach oder eine ganze Schublade füllen würden. Dass sie sich den Platz mit anderem Kleinkruscht teilen, ist also vorprogrammiert.

Vielleicht benenne ich den Ordner Sonstiges mal in Kruscht um, das klingt doch gleich viel schöner! Und immer, wenn eine neue Datei dazu kommt, prüfe ich, ob etwas anderes gelöscht werden kann.

Nicht vergessen, hinterher auch den virtuellen Papierkorb gleich zu leeren.

16 thoughts on “Wieder etwas leichter – der (un)geliebte Papierkram

  1. Hey,
    du bist ja fleissig! Ich habe mich tatsächlich zwischen den Jahren aufgerafft. Ich habe da so eine Ablage 😛 wo alles erst mal landet und am Ende sitze ich auf dem Fussboden mit Locher und Ordnern und ordne Stapelweise.
    Liebe Grüße!

    1. Wir haben immer alles was anliegt auf dem Schreibtisch liegen, groß genug ist er ja. Aber mich stört das dann immer und dann erledige ich den Papierkram schnell, so sammelt sich auch nichts. Irgendwann hat man sich so an die aufgeräumte Optik gewöhnt, dass man automatisch alles so pflegt (habe damit sogar meinen Mann angesteckt).
      Viele Grüße!

  2. Kruscht-Ordner ist klasse. Vielleicht auch Krempel-Ordner. Bei solchen Begriffen ringt die minimalistische Seele doch gleich nach Luft und findet vielleicht noch ein Papierchen was weg kann.
    was ich dieses Jahr neu erstellt habe, ist eine Übersichtsseite. Auf dieser Übersichtseite steht alles drauf, was im Jahresverlauf vom Konto abgebucht wird. Also Miete, Energie, Versicherungen etc. und in welchem Turnus Abbuchungen erfolgen. In einer Spalte dazu auch noch Vertragsnummer, Vertragspartner etc. . Alles auf einem Blick, schnell erfasst, was ggf. irgendwann weg kann und im Bedarfsfall sind Informationen auf einen Blick schnell verfügbar.

    1. Alles auf einen Blick finde ich auch wichtig. Ich hab die laufenden Ausgaben auch als obersten Block gelistet. Auch wenn ich mich hauptsächlich um die gemeinsamen Finanzen kümmere, wissen wir so beide, wo was zu finden ist. Wenn es auch nicht immer so einfach ist, eine für jeden selbsterklärende Ablagestruktur zu finden. Was für mich völlig logisch ist, ist für meinen Mann scheinbar das reinste Chaos und umgekehrt 😂

  3. Oh ja, Sonstiges ist gefährlich. Kruscht warnt den Nutzer besser vor dem Inhalt.

    Danke für die Verlinkung zur Kartoffelsuppe. Freut mich, dass Ihr sie gerne mögt. Hier kommt die auch immer gut an. Letzte Woche mal mit Kohlwurststückchen – war schön würzig.

    Gerichtsurteile und Vollstreckungsbescheide muss man ganze dreißig Jahre aufbewahren? Danke für die Info. Wusste ich nicht. Also besser für immer … Ewig bewahre ich auch Erbunterlagen und Hausunterlagen samt Kauf/Verkauf auf.

    Alltagsbelege sortiere ich wie Du zum Jahresende durch. Garantiebelege, die aufbewahrt wurden, nehme ich mir alle paar Jahre mal vor. Alle Belege um Geld herum werden hier zehn Jahre aufbewahrt aus gewerblichen Gründen. Da gehe ich gerne am 2. Januar jährlich in den Keller und greife die fälligen Ordner für die Schredderung.

    Einen ordentlichen Start ins Jahr wünscht Dir
    Ines

    1. Die Suppe ist auch ein Highlight, sooo lecker! Meinem Mann schnippele ich immer ein Saitenwürstchen in seine Schüssel. Das wird mit der heißen Suppe von selber warm. Mir ist sie so schon würzig genug.

      Ein paar Unterlagen kann man wirklich ablegen und dann hoffentlich einfach vergessen. Bei mir sind das glücklicherweise nur eine Handvoll, die nicht einmal einen eigenen Ordner brauchen und alle noch im Büro wohnen dürfen. Nur die Studienunterlagen hatten wir damals im Keller gelagert – und nach Jahren des Vergessens komplett entsorgt. Haben sie seitdem nie vermisst 😊

      Die ebenfalls einen guten Start in ein hoffentlich wunderbares neues Jahr!

  4. Kruscht ich muss schmunzeln. Ich nenne meine Rumpelkammer jetzt Hauswirtschaftsraum, das klingt gleich viel besser. 🤭 Ich verschenke auch gerne Dinge, mache mich wegen einem Wert von paar Euro nicht damit rum. Verschenken macht mehr Spaß, denn ich freue mich, wenn die Sachen wieder geliebt oder gebraucht werden.
    Ja im Januar wird meist überall aussortiert.
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

    1. Das ist mir auch am wichtigsten, dass die Dinge noch eine Verwendung finden. Ich sollte mich auch dringend mal um unseren Lampenfehlkauf kümmern, der noch im Keller lagert. Wir hatten die vorm Umzug gesehen und gekauft – blöde Idee. Und nachdem wir nun wirklich keinen Platz dafür gefunden haben, muss ich jetzt ein neues Zuhause dafür suchen.
      Die auch einen schönen Tag und viele Grüße!

  5. Gleich zu Beginn des Jahres klar Schiff zu machen und sich mal wieder alles Unnötigen zu entledigen ist eine wirklich gute Idee. So ein kleines Bisschen war ich auch dran. Aber hier gibts ja nicht mehr viel loszuwerden, ManitouseiDank!
    Allerdings: ich bin ja voll der Neandertaler, was mein Aktengedöhns angeht. Alles noch ganz nostalgisch auf Papier, einzig meine Zahlungen mache ich per E-Banking. Hier stehen 4 Ordner: einer für alles Tierische, einer für die Steuern, einer für den Job und einer ist in riesigen Lettern mit „Diverses“ markiert. 😁 Rechnungen und so’n Zeug bewahre ich 10 Jahre auf, dann fliegt es raus. Die Frage ist immer nur: wohin damit? Papiersammlung ist eine schlechte Idee, ich möchte ja nicht, dass jeder Otto sich mein Zeug aus der Mulde fischen und begutachten kann. Soll ja Menschen geben, die da dran Spass finden…. Papierwolf haben wir keinen und wollen wir uns für das Bisschen auch nicht anschaffen. Ich hab letztes Jahr also ein Feuerchen im Garten angemacht.
    Abernaja. Mir flattern i.d.R. höchstens 1-2 Rechnungen pro Monat ins Haus, wenn überhaupt, da hält so ein Bundesordner ewig lange vor, bis er randvoll ist. Wir kaufen einfach lieber in den Geschäften hier, statt zu bestellen.
    Alles in allem hat se schon etliche Vorteile, wenn man sich einem stark reduzierten Lebenstil verschrieben hat!
    Herzliche Grüsse!

    1. So ein kleines Feuerchen hat ja auch was, wer braucht da schon einen Aktenvernichter. Hier mache ich den Papierwolf aber da wir langfristig eh noch kleine eine Feuerstelle im Garten anlegen wollten, kann ich den Job dann abgeben. Wobei es bei den paar Rechnungen auf Papier auch eher nur zum Anzünden reicht 😂.
      Liebe Grüße!

  6. Bei mir hat es dieses Jahr nur für die Stoffschubladen und Fächer gereicht. Meine Tochter und ich haben die letzten Jahre viel genäht und die Reste dieser Projekte haben sich über die halbe Wohnung verteilt. Jetzt ist alles wieder hübsch sortiert und dort, wo es hingehört.
    So motiviert, kann ich mich jetzt an meine Unterlagen machen. Aber das mache ich lieber auf Etappen. Vielen Dank für deine Übersicht der Aufbewahrungsfristen.
    Das ist ja ein entscheidender Grund, ob man was wegwerfen kann oder nicht.
    Liebe Grüße
    Susan

    1. Wenn man mal eine Baustelle weg hat, ist das auch schon oft Motivation genug, um dran zu bleiben. Und es macht auch mehr Spaß, mit den Dingen zu arbeiten, wenn alles ordentlich und an einem Platz ist. Glücklicherweise muss man sich bei den meisten anderen Dingen nicht so viele Gedanken über Aufbewahrungsfristen machen 🙂

  7. Erwischt ! Das wollte ich zwischen den Jahren auch machen. ähm ja, ich hab mal nix gemacht. Da kamen wieder diese Unruhe und Streßattacken und ich habe dann einfach gesagt. OK, bis zur Steuer, soll das und das fertig sein. Ich habe bewusst das Wörtchen „muss“ nicht genommen. Alles andere möchte ich bis zum Sommer wieder ordentlich in den Ordner haben. Es ist alles was so lose lag, in einem Karton und dann werde ich mich demnächst mal auf dem Boden ausbreiten und lochen und abheften. Kann ja auch ganz entspannend sein. Aber Frieda könnte ich mal fragen, ob die Hilft *grins* eher nicht. Die leht sich lieber darauf.

    Liebe Grüße,

    1. Mit Friedas Gesellschaft macht der Papierkram bestimmt mehr Spaß. Offensichtlich hat sie schon verstanden, was man mit dem Berg an Unterlagen am besten macht 😉

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